The Nine O'Clock Herald
Auflage …Berlin Edition · Est. 2016 · 90¢
Vier Filmemacher seit 2016 spurlos verschwunden

Kurz nach der Gründung ihrer Firma tauchten sie unter. Zurück blieb nur ein Gerücht – und ein Titel: „American Showdown 8“.

Die vier Gründer der nine o'clock pictures GmbH, 2016
Zuletzt gemeinsam gesehen: die vier Gründer der nine o'clock pictures GmbH im Jahr 2016.

BERLIN – Im Jahr 2016 wurde in Berlin die nine o'clock pictures GmbH gegründet. Nur kurze Zeit später verschwanden die vier Gründer spurlos. Seit zehn Jahren gibt es keine belastbaren Hinweise auf ihren Aufenthaltsort.

Die Ermittlungen blieben bislang ohne Ergebnis. Es gibt nur eine Spur, ein hartnäckiges Gerücht: Die vier sollen damals heimlich an „American Showdown 8“ gearbeitet haben. Reisedokumente belegen mysteriöse Fahrten nach Westdeutschland. Wen sie dort trafen, ist unklar.

Die Ermittler stehen vor einem Rätsel. Doch es gibt neue Beweise – und eine Spur, der man folgen muss: dem Geld.

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Wanted – gesucht seit 2016: André Jagusch, Alexander Scheer, Steve Patuta, Mirco Dziekanski. Hinweise an office@nineoclock.pictures
Cold Case – Ungelöst: Der Fall American Showdown

Ende der 90er entstehen in Berlin sieben Action-Kurzfilme im Guerilla‑Style. Blitzknaller, Kunstblut, keine Drehgenehmigung. 2005 erschien die Complete Edition auf VHS.

Die VHS-Edition von 2005
Beweisstück: die VHS-Edition von 2005.

BERLIN – Von 1996 bis 2001 entstanden in Berlin die ersten sieben Teile der Kurzfilmserie American Showdown. Lange galt die Serie als verschollen. 2005 tauchten alle sieben Teile gesammelt auf der VHS-Kassette wieder auf – die „American Showdown 1–7 Complete Edition“.

Die Herkunft der Kassette ist bis heute ungeklärt. Doch eine Spur führt nach Moskau. Mit dem Verschwinden der vier Gründer im Jahr 2016 wurde die alte Akte erneut geöffnet. Seitdem ermittelt auch der Herald in diesem Fall. Erste Details kamen ans Licht.

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Der fünfte Mann: Wo ist Christoph „Booma“ Heil?

Lange vor den vier Gesuchten verschwand eine weitere Person. Alte Filmaufnahmen bestätigen: Es gibt einen fünften Mann.

Christoph „Booma“ Heil in American Showdown 3
Standbild aus American Showdown 3: Christoph „Booma“ Heils erster Auftritt in der Showdown-Reihe.
Missing – Hinweise an office@nineoclock.pictures

BERLIN – Fest steht: Zum Fall American Showdown gehört eine fünfte Person, Gründungsmitglied Christoph „Booma“ Heil. Er spielte in den alten Filmen mit und ist schon viel länger verschollen als die anderen vier Gesuchten.

Von ihm hat man nichts mehr gehört. Lange galten alte Filmaufnahmen als das Letzte, was von ihm blieb. Auch nach all den Jahren gibt es keine eindeutigen Hinweise auf seinen Aufenthaltsort. Die Suche geht weiter. Doch jetzt ist ein Foto aufgetaucht. Der Herald hat es gesehen. Gibt es eine Verbindung zu den vier Männern, die 2016 verschwanden?

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Seite 2The Nine O'Clock Herald
DIE ERMITTLUNGEN
Die Firma, das Geld, die Flucht
Neue Recherchen des Herald: Ein Jahr vor dem Verschwinden sammelten die vier Männer Geld bei der Bevölkerung – dann führte ihr Weg nach Westen. Akten, Fahrkarten, wiederholte Fahrten und ein Zeuge erzählen eine Geschichte voller Rätsel.

BERLIN – Was bislang nur Gerücht war, ist nun aktenkundig. Dokumente aus einem Berliner Notariat, die dem Herald vorliegen, belegen: Am 28. April 2016 wurde die nine o'clock pictures GmbH gegründet.

Unterzeichnet haben vier Männer: André Jagusch, Alexander Scheer, Steve Patuta und Mirco Dziekanski. Die Unterschriften sind echt, die Formalien korrekt, Stempel und Datum stimmen. Nichts an diesen Papieren deutet darauf hin, dass sich die Spur der vier nur kurze Zeit später verlieren würde.

Die Gründungsakte ist die letzte amtliche Spur, die alle vier verbindet. Dann bricht die Überlieferung ab. Kein Dokument verrät, was aus den Gründern wurde, wohin sie verschwanden oder weshalb sich ihre Wege trennten.

Gerade deshalb ist dieser Fund für die Ermittler so brisant: Ein letztes Mal stehen alle vier nebeneinander, festgehalten durch Namen, Unterschriften und ein Datum. Danach beginnt das Rätsel.

Der Herald konnte die Akte einsehen. Heute liegt dieses letzte gemeinsame Lebenszeichen in einem unscheinbaren Karteikasten – sorgfältig verwahrt und seit über zehn Jahren nahezu vergessen.

Gründungsakte der nine o'clock pictures GmbH vom 28.04.2016
VERTRAULICH
Beweisstück: die Gründungsakte vom 28. April 2016.

Der Aufruf

Die Recherchen führen ein Jahr weiter zurück. Im Sommer 2015 tauchte in Berlin ein ungewöhnlicher Spendenaufruf auf – an Litfaßsäulen, auf Handzetteln, von Mund zu Mund. Der Zweck blieb vage: Es gehe um „die Fortsetzung“. Wofür genau, sagte niemand. Die Bürger gaben trotzdem, und sie gaben bereitwillig.

Am Ende kamen 10.268 Euro zusammen. Was genau damit fortgesetzt werden sollte, blieb offen. Wer gespendet hatte, bekam kaum mehr als ein Versprechen: Es werde weitergehen. Nachfragen blieben unbeantwortet. Quittungen gab es keine. Belege auch nicht. Manche Spender warten bis heute – und fragen sich, wofür sie gegeben haben.

Die Spur nach Westen

Wenig später häufen sich die Hinweise auf Reisen in den Westen der Republik. Reisedokumente, Fahrkarten und Quittungen belegen wiederholte Aufenthalte in der Lüneburger Heide. Was die Männer dort taten, ist unbekannt. Ein Zeuge will ein altes Stahlungetüm auf Schienen gesehen haben – und Männer mit Koffern. Immer wieder dieselbe Strecke, immer wieder dieselbe Gegend.

„Sie hatten einen Koffer
voller Geld dabei.
Und sie wollten diesen Zug.“– ein Zeuge aus der Lüneburger Heide

Abgehauen?

Haben sich die vier mit dem Geld in den Westen abgesetzt? Die Ermittler schließen nichts aus. Fest steht nur: Seit 2016 ist keiner von ihnen zurückgekehrt. Das Geld ist ebenso verschwunden wie die Männer, die es gesammelt haben – und mit ihnen jede Erklärung. Die Ermittler prüfen jede Quittung und jede Fahrkarte. Immer wieder taucht dabei derselbe Titel auf: American Showdown. Nur ein Name – oder ein Plan?

COLD CASE
Zeitungsausschnitt: ICE mit Pistole gestoppt – Irrer Film-Star muss blechen
Aus dem Archiv des Herald, 2005.
Moskau 2005: Gala Nachtendet in einem Medienskandal
Eine Gala in Moskau, sieben Filme, eine überstürzte Flucht in den Westen – und ein Schauspieler, der bis heute Rätsel aufgibt. Was geschah in jener Nacht in Moskau wirklich – warum stieg er in den Zug?

MOSKAU – Es war die Nacht, in der der Fall American Showdown öffentlich wurde. Im Jahr 2005 tauchten die sieben Filme in Moskau auf – bei einer großen Gala, mitten in der Stadt. Gezeigt wurden alle sieben Teile an einem einzigen Abend. Noch in derselben Nacht gingen die VHS-Kassetten in großer Stückzahl über den Tisch.

Die Flucht

Doch irgendetwas muss in dieser Nacht schiefgelaufen sein. Am nächsten Tag ist Alexander Scheer bereits auf dem Weg nach Westen. Er sitzt im ICE nach Hamburg, im Gepäck eine Pistole. Unterwegs wird der Zug gestoppt. Die Polizei stürmt den Waggon, der Zug steht still. Die Fahrgäste halten den Atem an.

„Der Film-Star,
der den ICE stoppte.“– die Boulevardpresse, 2005

Die offizielle Version

Die Pistole: ein Spielzeug, ein Requisit aus den Filmen. Das Ziel der Reise: das Theater in Hamburg, wo Scheer am Abend den Othello spielen sollte. So jedenfalls die offizielle Version. Die Boulevardpresse feierte ihn als „den Film-Star, der den ICE stoppte“. Die Bahn forderte Schadenersatz in Millionenhöhe für die Verspätungen. Auch der Herald berichtete damals.

Flucht, damals wie heute?

Damals ein Zug, der gestoppt wurde. Heute ein Mann, der verschwunden ist. Zwischen beiden Ereignissen liegen jetzt mehr als 21 Jahre – eine Frage bleibt: Wovor ist Alexander Scheer geflohen? Für die Ermittler ist er ein großes Rätsel und der Schlüssel zum Fall.

Wieder ein Zug

Und noch etwas lässt die Ermittler nicht los: Wieder spielt ein Zug eine Rolle. 2005 der ICE nach Hamburg, zehn Jahre später ein altes Stahlungetüm in der Lüneburger Heide, gesehen von einem Zeugen. Dazwischen Männer mit Koffern. Zufall – oder ein Muster, das bis heute niemand versteht? Die Ermittler schweigen dazu. Der Herald bleibt an der Sache dran und berichtet in der nächsten Ausgabe ausführlich über den Stand der Ermittlungen.

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DER FÜNFTE MANN
Die Guerilla von Berlin –wie alles begann
Mitte der Neunziger gehörte Berlin niemandem. In den Ruinen der Stadt drehten junge Männer Actionfilmeohne eine Anmeldung, ohne eine Erlaubnis, wie eine Bande in einem Revier, das bald verkauft werden sollte.

BERLIN – Um zu verstehen, wo Christoph „Booma“ Heil geblieben ist, muss man zurück an den Anfang. Berlin, Mitte der Neunziger. Die Mauer ist gefallen, die Stadt liegt offen da. Ganze Straßenzüge stehen leer, Fabrikhallen verfallen, auf den Dächern wächst Gras. Wem was gehört, weiß oft niemand so genau.

Die Stadt im Ausverkauf

Es ist die Zeit der Abwicklung. Betriebe werden geschlossen, Grundstücke wechseln den Besitzer – oft unter der Hand und zu Preisen, über die später niemand mehr reden will. Spekulanten ziehen durch die Stadt. Wer Geld hat, kauft. Wer keins hat, nimmt sich, was übrig bleibt: leere Hallen, Hinterhöfe, Brachen bis zum Horizont.

„Die Stadt war ein Filmset.
Und wir die Hauptdarsteller.“– aus den Ermittlungsakten

Gangs of Berlin

In diesen Revieren tauchen sie auf: eine Handvoll junger Männer mit einer Videokamera, Plastikpistolen und Blitzknallern. Sie drehen kurze Actionfilme wie in Hollywood – nur ohne Geld, ohne Drehgenehmigung und ohne Rücksicht. Verfolgungsjagden durch Hinterhöfe, Schießereien in Fabrikhallen, Motorboot-Verfolgungsjagden auf der Spree. Passanten werden ungefragt zu Statisten. Die Polizei ist überfordert. Die Nachbarn ziehen die Gardine zu.

Drei junge Männer vor einem Fabriktor, in der Mitte von hinten Christoph Booma Heil
BEWEISSTÜCK 003
Beweisstück: Berlin, Mitte der NeunzigerLinks Alexander Scheer, rechts André JaguschIn der Mitte, von hinten: Christoph „Booma“ Heil

Kassetten statt Kino

Geschnitten wird nachts, zwischen zwei Videorekordern. Die Filme gehen auf VHS-Kassetten von Hand zu Hand. Kein Kino zeigt sie, und doch kennt sie bald die halbe Szene. Zwischen 1996 und 2001 entstehen so die ersten sieben Teile der Kultserie American Showdown.

Das Foto vom Fabriktor

Bei den Recherchen des Herald tauchte in einem alten Karton ein Foto auf. Drei junge Männer stehen vor einem Fabriktor, irgendwo in Berlin.

Links steht Alexander Scheer, rechts filmt André Jagusch. In der Mitte, mit dem Rücken zur Kamera: ein Mann mit dichtem Lockenkopf. Sein Gesicht ist nicht zu sehen. Und doch sind sich die Ermittler sicher: Es ist Christoph „Booma“ Heil.

Die drei gelten als Gründungsmitglieder jener Untergrund-Filmgruppe, aus der Jahre später die nine o'clock pictures GmbH hervorgehen sollte. Warum zeigt Booma sein Gesicht nicht? Wusste er schon damals, dass er irgendwann unter­tauchen würde?

Die Tatorte sind verschwunden

Wer heute nach Beweisen sucht, sucht vergeblich. Die Hallen sind abgerissen, die Grundstücke verkauft, die Brachen bebaut. Wo damals geschossen wurde, stehen heute Wohnhäuser und Büros. Die Stadt hat ihre Spuren verwischt – und mit ihnen die Spuren der Männer. Geblieben ist eine Frage: Wo ist der fünfte Mann?

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Seite 4The Nine O'Clock Herald
IMPRESSUM · DATENSCHUTZ
Herausgeber

nine o'clock pictures GmbH
Brauhausstr. 9
13086 Berlin

Vertreten durch die Geschäftsführer

Mirco Dziekanski, André Jagusch,
Steve Patuta, Alexander Scheer

Register

Amtsgericht Charlottenburg
HRB 176530 B

Kontakt

E‑Mail: office@nineoclock.pictures
Telefon: +49 163 439 6369

Erscheinungsweise

Unregelmäßig – immer dann, wenn es etwas zu berichten gibt.

Ausgabe

Nr. 001 · Berlin Edition
Est. 2016 · 90¢

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Mirco Dziekanski, Anschrift wie oben

Ein Wort der Redaktion. The Nine O'Clock Herald ist die Hauszeitung der nine o'clock pictures GmbH, Berlin. Die Berichte über verschwundene Filmemacher, Ermittlungen, Beweisstücke und Zeugen sind Unterhaltung im Stil einer Zeitung – erzählt mit einem Augenzwinkern über unsere eigene Geschichte seit 1996.

Die vier Gesuchten erfreuen sich bester Gesundheit. Polizei, Notare und Zeugen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit echten Ermittlungen wären reiner Zufall.

Bildnachweis

Fotos und Filmbilder: nine o'clock pictures GmbH. Gestaltung von Papier, Balken und Hintergründen teilweise mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

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Stand: Oktober 2026

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